Eine der größten Hollywood-Produktionen des Jahres trägt Klänge aus Südalbanien in sich. Für den Soundtrack von Christopher Nolans „Die Odyssee“ reiste Komponist Ludwig Göransson persönlich in die Region. Dort nahm er albanische Iso-Polyphonie und die Flöten einheimischer Schäfer auf.
So entstand eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Homers fast 3.000 Jahre altem Epos, modernem Hollywood und einer Gesangstradition, die in Albanien bis heute lebendig geblieben ist.
Eine Woche auf Klangsuche in Südalbanien
Göransson suchte einen Klang jenseits des typischen Hollywood-Soundtracks. Die Musik sollte roh, menschlich und eng mit der Landschaft verbunden wirken. Seine Suche führte ihn für etwa eine Woche nach Südalbanien, wo er traditionelle Sänger und Flötenspieler aufnahm.
Die Musiker kamen dabei direkt aus ihrem Alltag zu den Aufnahmen. Einige mussten am Abend früh aufbrechen, weil sie bereits gegen vier Uhr morgens wieder bei ihren Herden sein mussten. Genau diese Nähe zum echten Leben verlieh den Aufnahmen jene Ursprünglichkeit, die Göransson für Nolans Film suchte.
Der außergewöhnliche Aufwand beschränkte sich dabei nicht auf die Musik. Wie weit Christopher Nolan auch bei der Produktion von „Die Odyssee“ ging, zeigt Themenblick.
Was ist albanische Iso-Polyphonie?
Bei der albanischen Iso-Polyphonie übernehmen einzelne Sänger verschiedene führende Stimmen. Eine Gruppe hält währenddessen einen lang gezogenen Grundton, das sogenannte Iso. Die Stimmen setzen nacheinander ein, antworten aufeinander und verbinden sich schließlich zu einem dichten Klang.
Die Tradition wird vor allem in Südalbanien gepflegt und gehört seit 2008 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Warum Albanien zu Homers Welt passt
Nolan wollte für seine Antike keinen glatten Hollywood-Orchesterklang. Die Musik sollte rau, körperlich und elementar wirken. Genau diese Atmosphäre erzeugt die albanische Iso-Polyphonie.
Ihre Stimmen tragen etwas Gemeinschaftliches und zugleich Archaisches in sich. Sie klingen nach Landschaft, Erinnerung und einer Geschichte, die über Generationen weitergegeben wurde.
So wurde eine jahrhundertealte Tradition aus Südalbanien Teil einer der größten Filmproduktionen der Gegenwart. Nolan suchte nach dem Klang einer längst vergangenen Welt und fand ihn in Stimmen, die in Albanien bis heute weiterleben.
